Es gibt unterschiedliche Arten der Feuchtigkeit !

Neubaufeuchte
Die Wassermenge, die in Mauern, Beton, Estrich und Putzschichten verbaut ist, ist beachtlich. Früher hat man einen Neubau ein Jahr lang austrocknen lassen, speziell auch über den Winter, bevor man eingezogen ist.
Je nach den verwendeten Materialien ergeben sich unterschiedliche Trocknungszeiten. Ein Baustoff ist erst dann trocken, wenn er seine hygroskopische Gleichgewichtsfeuchte (Restfeuchte} erreicht hat, die wiederum abhängig ist von der relativen Luftfeuchtigkeit und der Temperatur der Umgebung.

Die Austrocknung von Baustoffen findet durch die Kapillarbewegung und Verdunstung (Diffusion} statt, die durch Sperrschichten, dichte Putze oder dichte Farbschichten sehr erschwert werden kann, oder durch dampfdichte Folien absolut gesperrt wird. Über die Trocknungsgeschwindigkeit entscheiden also mehrere Faktoren. Eingesperrte Feuchtigkeit kann zu erheblichen Bauschäden führen.

Kapillar aufsteigende Feuchtigkeit
Speziell Mauern in Altbauten sind häufig von kapillar aufsteigender Feuchtigkeit betroffen. Hier fehlen horizontale und vertikale Sperrschichten in und an der Mauer, die das Einwandern von Feuchtigkeit ins Mauerwerk verhindern.
Über die Grundfläche kann viel Feuchtigkeit aufgenommen werden.

Diese Feuchtigkeit kann durch die Oberflächenspannung des Wassers und die im Material vorhandenen Kapillaren (Haarröhrchen} Druck entwickeln und nach oben wandern. Je feiner die Kapillaren sind, um so mehr Druck entwickelt sich, und um so höher steigt das Wasser. Elektrochemische Prozesse spielen ebenfalls eine Rolle. Werden irn Sockelbereich Wände «dicht» gemacht durch dampfdichte Verkleidung oder Anstriche, steigt auch das Wasser höher hinauf, bis sich ein Gleichgewicht zwischen Verdunstung, Kapillarsog und Auftrieb einstellt.

Kondensation
Vereinfachte Definition gemäss Lexikon:
Übergang eines Stoffes vom gasförmigen in den flüssigen bzw. festen Aggregatzustand infolge von Temperatursenkung oder Druckerhöhung; z.B. morgendlicher Tau, Perlen am Bierglas, beschlagene Spiegel, Brillengläser, Nebel usw.

Überall dort, wo Luft abkühlt bis unter den Taupunkt, wird aus Wasserdampf wieder Wasser. Ist Wasserdampf in ein Bauteil und in kältere Temperaturschichten gelangt, bildet sich Tauwasser. Bei nicht luftdichten Dämmungen kann aber auch Feuchtigkeit durch Luftströmung ins Innere einer Konstruktion gelangen.

Feuchteschäden durch andere Ursachen
Hier sind einige mögliche aufgezählt: undichtes Dach, defekte oder verstopfte Dachrinne, Grundwasser von unten, drückendes Wasser im Sockelbereich, Tauwasser, Streusalz, Überschwemmungen, Unterspülungen, verstopfte Drainage oder Abflussrohre, Durchfeuchtung durch Schlagregen usw. Überall dort, wo Feuchtigkeit stehen bleibt oder eingesperrt wird, nicht ablaufen oder abtrocknen kann, sind Schäden zu erwarten.
Quelle: Ernst Vill; Mauerfeuchtigkeit - Ursachen, Zusammenhänge, Lösungen; ISBN 3-929240-15-7, D-Weiler i.A.


Weitere Literatur zum Thema
Ernst-Vill-Verlag; ISBN 3-934139-01-09
Ernst-Vill-Verlag; ISBN 3-934139-04-3

 

 
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